
Sonntag, 30.10.2005
Premissen, Vorurteile und die vergebliche Suche nach der Wahrheit
Die Presse hat alles andere als die Hoheit auf die Wahrheit und sind Lobbyisten mit einem ganz besonderen Machtinstrument. Häufig gibt es den unabhängigen Zeitungsverlag gar nicht mehr und diese sind dicht verzahnt mit unzähligen Interessengruppen. Wie eine Krake habe Sie ihre Finger in der Wirtschaft und in der Politik.
Angesichts dieser Situation und der Tatsache, dass diese mit ihren Artikeln noch immer meinungsbildend wirken, fällt es mir schwer an Neutralität zu glauben. Mein jüngster Aufreger war der Beitrag auf Panorama: "Tricksen und tarnen - Pharmaindustrie unterwandert Selbsthilfegruppen"
In der Pauschalität in der dieser Beitrag alle Selbsthilfegruppen zu Marionetten der Pharmaindustrie degradiert, ist das für viele Selbsthilfegruppen ein PR-Gau. Ich habe Jahrzehnte eine Selbsthilfegruppe begleitet, bei der ich die Zusammenhänge zwischen Spenden, Sponsoring, Politikum Klinikum und Kämpfe gegen die Institute aus eigener Anschauung kenne. Auch eine Selbsthilfegruppe muss Kompromisse eingehen, um nicht erst viel zu spät am Betroffenen gehör zu finden. Die Betroffenen selbst sind hoch motiviert und es gibt zwei Kanäle, offizielle Kanäle und inoffizielle und manche Entscheidung ist auch politisch, doch in der Gesamtheit hat der Verein den ich sehr gut kenne stets im Interesse des Betroffenen gehandelt und gekämpft wie ein Löwe, dass mit den besten und auch ökonomischsten Mitteln für das Wohl der Betroffenen gesorgt wurde.
Ich gehe davon aus, dass die Pharmaindustrie daran interssiert ist, ihre Produkte erfolgreich abzusetzen und dabei auch Selbsthilfegruppen im Visier hat. Aber deswegen ist nicht jede Selbsthilfegruppe gekauft und handelt zum schaden des Patienten. Damit ist der Titel und die Aussage die Pharmaindustrie unterlaufe Selbsthilfegruppen ein schöner Aufreger, der Quote bringt, aber stimmt es auch. Denn Selbsthilfegruppen sind Betroffene, die Schwarmintelligenz besitzen. Es ist diese Schwarmintelligenz, die nicht zuletzt auch den Experten hilft ein besseres Bild zu gewinnen.
Wie bei der meisten Schwarmintelligenzen ist es ein Reifeprozess bis man die Glaubenssätze von den Fakten getrennt hat, bis man den Kern erkennt. Wie stets erfordert auch die Schwarmintelligenz medienkompetenz.
So ist es von Bedeutung, wie sich der Schwarm formiert. Wenn Forbes berichtet, dass sich ein Schwarm um Ed Brill gegen eine Kritikerin an Notes formiert, dann liegt eine Pro-IBM-Position nahe. Was ist die Position von Forbes? Warum schreibt Forbes das? Ich habe nicht vor da weiter einzusteigen, aber ich gehe davon aus, dass dieser Aufreger bei Forbes ins Bild passt und dieser einseitig geschriebene Artikel ähnlich wie Pharma-Pro-Artikel bei SPON die Einnahmen sichert.
Sollte nun jemand ungenau mich zitieren und schreiben, dass Forbes dies aus Eigenintressen so geschrieben hatte wie es eben geschrieben wurde und alles so gar nicht stimmt.
Nein, ich bin überzeugt, dass man mit dem Schwarm im Netz viel unfug anstellen kann und man diesen Instrumentalisieren kann.
Nehmen wir das Beispiel ADAC. Im Kern ein wichtiges Anliegen: Linkfreiheit!
Wobei die Quellenangabe als solches nicht einmal gefährdet ist und im Grunde nur etwas Convenience gefährdet ist ... und nicht einmal die, da ein nicht hinterfragter Suchdienst diese Convenience bietet.
Geht es also ums Prinzip und ein Verein, der in vielen Bereichen zu recht hinterfragt werden darf, wenn man einigen Berichten über die Seilschaften und Verflechtungen glauben schenkt, wird für einen albernen Glaubenssatz durch das Bloggerdorf und damit an die Spitze des Google-Index getrieben.
Ich habe mit meinem Blog Macht erworben. Ich kann Themen an die Googlespitze mit einer gewissen Leichtigkeit treiben und damit bin ich eine der hohen Blogpriesterinnen, die für das Gute und das Gerechte streiten kann oder wie die dunkle Macht auch Gegner mit dem Googlegedächtnis in die Verdammnis schicken.
Ich bin aber nur eine Blogpriesterin mit einem kleinen unbedeutenden Dan. Andere Blogger haben mehr Macht. Doch seien wir ehrlich, alle Blogger sind Waisenknaben, wenn es um die echten Hohepriester, die ach so guten Priester, geht, die hinter den Redaktionsschreibtischen der Verlage sitzen.
Um deren Ethik ist es schon lange nicht mehr gut bestellt. Auch wenn die Blogger häufiger einmal etwas unkritisch dem Mob folgen, so liegt in den Blogs häufiger in der Tat die Chance der Richtigstellung größer als bei der Presse. Richtigstellungen werden zumindest Teilweise mit der selben Vehemenz publiziert, wie der Fehler und nicht wie bei der Presse üblich auf der dritten Seite als Gegendarstellung mit Hinweis auf die gesetzliche Pflicht.
So nun geht es mir besser und ich habe meine Cermon zu Forbes und dem Blogmob und deren religiösen Eifer abgelassen. Ich bin übrigens immer noch der Meinung, dass in der Gesamtheit der Blogmob die Guten sind. Leider können sie etwas leicht der Macht des Bösen verfallen.
Nehmen wir das Lichtschwert auf und arbeiten wir daran, dass das Gute gewinnt.
Eure Hohepriesterin